SCHULEWIRTSCHAFT-Kooperationen zielorientiert gestalten

 

Ein Praxisbeispiel mit Beteiligung der wissenswerkstatt

 

Akteure am Übergang Schule-Beruf sind im Hinblick auf den zu erwartenden Fachkräftemangel wichtiger denn je. Sie sind Impulsgeber für eine zukunftsorientierte Bildung und tragen dazu bei, dass die Berufsorientierung für Schülerinnen und Schülererfolgreich gelingt.

Viele Unternehmen und Betriebe sind auch gerne bereit, mit den regionalen Schulen zusammenzuarbeiten und diese im Rahmen des Berufsorientierungsunterrichts in kurzeitigen, überschaubaren Projekten zu unterstützen.

Von langfristigen Schule-Wirtschaft-Kooperationen nehmen sie jedoch gerne Abstand, vor allem, je kleiner das Unternehmen ist. Denn gerade in kleineren Betrieben werden überproportional viele Personalressourcen gebunden, wenn man den Übergang Schule-Arbeitswelt für junge Menschen praxisnah unterstützen möchte. Dann reicht eine einmalige Betriebsbesichtigung nämlich nicht aus: Es müssen Praktika angeboten werden, damit die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in innerbetriebliche Abläufe und damit die Berufswelt erhalten. Weiterhin sollte ein praxisnaher Unterricht im Betrieb erfolgen, in dem charakteristische Tätigkeiten des entsprechenden Berufsfeldes ausprobiert werden können. Nur so ist es den jungen Menschen möglich, ihr Talent zu entdecken und sich bewusst für oder gegen diesen Berufszweig auszusprechen.

Gerade für kleine KMUs scheint es also nahezu unmöglich, Schulen eine umfängliche unterrichtsbegleitende Unterstützung bei der Berufsorientierung anzubieten.

Die Gemeinschaftsschule Rastbachtal hat hier ein innovatives Konzept entwickelt, aus dem nachhaltige Partnerschaften zwischen der Schule und den Betrieben entstehen können und das die Unternehmen jedoch nicht zu stark belastet.

Die Rastbachtalschule konnte für die Erprobung des Konzeptes ein Unternehmen der Metall- und Elektrobranche gewinnen, die ZF Friedrichshafen AG am Standort Saarbrücken, mit der sie schon sehr lange kooperiert. Auch wenn es sich bei dem Wirtschaftspartner um ein großes Unternehmen handelt, lässt sich das Konzept trotzdem auf kleinere Betriebe übertragen. Davon sind beide Projektpartner überzeugt und mit dem Ergebnis der Partnerschaft überaus zufrieden.

Zunächst konnten sich die Schülerinnen und Schüler freiwillig für das Projekt anmelden, das in der Rastbachtalschule im Rahmen des Technikunterrichts angeboten wurde. Alternativ könnte man sich auch eine AG vorstellen, z.B. zum Thema „Übergang in die M&E-Branche leicht gemacht“.

Wichtig ist, dass eine Gruppe junger Menschen zusammen kommt, die sich für das Berufsfeld interessiert oder die auch einfach mal nur in den Industriezweig hereinschnuppern möchte. Eine solche neigungsorientierte Wahl fördert auf alle Fälle die Motivation der Schülerinnen und Schüler und trägt dazu bei, dass sie ihre spätere Berufsentscheidung selbstständiger und bewusster treffen.

Zum Projektstart besuchten die Schülerinnen und Schüler das Partnerunternehmen und erhielten Informationen zum Tätigkeitsfeld und der Branche. Sie bekamen T-Shirts und Schreibutensilien, die sie während des Schuljahres für dieses Projekt nutzen konnten und die ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zum Schule-Wirtschaft-Projekt darstellen.

Da es dem Partnerunternehmen ZF im letzten Schuljahr nicht möglich war, unterrichtsbegleitende Module im Bereich der Elektrotechnik im Betrieb anzubieten, die jungen Leute aber einen praxisnahen Zugang zur Elektrobranche bekommen sollten, wurde hierfür ein außerschulischer Lernort gesucht. Die Berufsorientierungslehrer der Rastbachtalschule haben schließlich Kontakt mit der Wissenswerkstatt aufgenommen, in der Kinder und Jugendliche in Praxiskursen technischen Alltagsphänomenen auf den Grund gehen und diese durch das Bauen von Werkstücken besser begreifen.

Die Wissenswerkstatt hat die neu konzipierte Schule-Wirtschaft-Kooperation der Rastbachtalschule gerne unterstützt. Frau Dr. Maas, Leiterin der Wissenswerkstatt, hierzu: „Es ist wichtig, dass die Jugendlichen frühzeitig ihre Talente erkennen, um eine zielführende Entscheidung für ihre berufliche Zukunft treffen zu können. Für die Talentfindung muss es natürlich geeignete Räume geben. Mit der Wissenswerkstatt wurde ein außerschulischer Lernort geschaffen, in dem Mädchen und Jungen gleichermaßen einen praxisnahen Zugang zu Technik bekommen können. Wir versuchen, den Jugendlichen die Scheu vor Technik zu nehmen und ihnen aufzuzeigen, dass es Spaß macht, sich mit Technik auseinanderzusetzen. Die Jugendlichen können in so vielen Kursen wie sie möchten, ihre technische Begabung ausloten.“

Die Schülerinnen und Schülern der Rastbachtalschule haben im ersten Schulhalbjahr zunächst einige Kurse in der Elektrowerkstatt absolviert. Der Stromkreis wurde beim Bau eines Ventilators erarbeitet, elektronische Bauteile wie Widerstände, LEDs, Kondensatoren und viele mehr wurden mit jedem weiteren Werkstück eingeführt, d.h. beim Bau eines „Heißen Drahtes“ und einer „Elektronischen Sanduhr“.

Im zweiten Schulhalbjahr ging es dann für die Schule-Wirtschaft-Projektgruppe einmal pro Monat in der Wissenswerkstatt weiter mit Robotik. Die Schülerinnen und Schüler lernten die Prinzipien der Maschinenprogrammierung kennen, indem sie selbst Lego-Mindstorm-Roboter so programmierten, dass diese entlang von Linien fuhren, Farben erkannten und sogar Bälle in ein Tor schossen.

 

Schule-Wirtschaft-Kooperationsprojekt in wiwe 2015

Den Abschluss des Projektes bildete dann ein dreiwöchiges Praktikum im Partnerunternehmen. Dort bekamen die jungen Menschen einen Einblick in innerbetriebliche Abläufe, in Produktions- oder Vertriebstätigkeiten. Sie konnten sich ein Bild von dem jeweiligen Tätigkeitsfeld machen und nach diesem Schuljahr eine bewusste Entscheidung treffen, wohin es für sie beruflich gehen soll. Es werden sicherlich einige Bewerbungen aus der Projektgruppe der Rastbachtalschule bei ihrem Partnerunternehmen eingehen; naturgemäß haben Schülerinnen und Schüler, die sich während des Projektes besonders hervorgehoben haben, auch gute Chancen bei diesen Bewerbungen.

Das Pilotprojekt zur nachhaltigeren Gestaltung der Schule-Wirtschaft-Kooperation hat sich nicht nur für die Schülerinnen und Schüler des Orientierungsunterrichtes der Rastbachtalschule ausgezahlt. Auch das Partnerunternehmen ZF hat davon profitiert, selbst wenn der Betrieb die Klasse nicht permanent begleitet. Denn die Schülerinnen und Schüler konnten nach den Kursen in der Wissenswerkstatt, selbst wenn sie nur einen ganz kleinen Einblick in die grundlegenden Techniken und Verfahren der Elektro- und Metallbranche erlangt haben, eine bewusste Entscheidung treffen, ob ihnen ein Beruf in der Branche zusagen würde oder nicht.

Diese Talentfindung ist entscheidend, damit es bei der Berufswahl nicht zu Fehlentscheidungen und damit Ausbildungsabbrüchen und mühsamen Umorientierungen kommt. Dies ist nicht nur sehr frustrierend für die jungen Menschen, sondern für die Unternehmen auch mit hohen Kosten verbunden.

Die Wissenswerkstatt ist an der Stelle gleichermaßen Partner der Schulen und der Unternehmen und stellt aus ihrem Portfolio gerne Kurse zur Unterstützung der Berufsorientierungsphase zusammen. Anfragen per Mail an oder telefonisch unter 0681 95911084. Informationen und das Kursangebot findet man unter www.wiwe-sb.de.

 

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